• Benutzermenü

Die Herrin vom See

Vom Ursprung
Hüte dich, hieß es einst. Meide den See, wenn Nebel über den Wassern liegt. Denn in den Fluten lebt Nimue. Wunderschön ist sie anzusehen und doch ist sie kein irdisches Wesen. Ein Wassergeist in Gestalt einer Frau. Hüte dich, denn sie lockt dich mit ihrer Schönheit in die Fluten, und du wirst nie mehr gesehen werden. Also mieden die Menschen den See.

Doch dann zog ein Fremder durch die Lande, der nichts von jenen Geschichten um Nimue wusste. Er rastete am Ufer des Sees. Und es erschien ihm im Nebel eine Frau. Sie war gehüllt in weiche fließende Stoffe und ihr Antlitz war von solch ebenmäßiger Schönheit, dass er glaubte, sie könne unmöglich ein sterbliches Geschöpf sein. Sie sprach mit sanfter Stimme und sanft waren auch ihre Worte. Sie umschmeichelten ihn. Und schließlich war ihm, als spüre er das kühle Wasser des Sees. Als er erwachte, lag er mit nassen Kleidern am Ufer. Die Frau aber war auf ebenso magische Weise verschwunden, wie sie erschienen war. Und sooft er später wieder an jene Stelle zurückkam, er sollte die Erscheinung nie wieder erblicken. Und obwohl er sie denn nur ein einziges Mal gesehen hatte, blieb die Frau vom See Zeit seines Lebens ein Teil seiner Seele.

Zu eben jener Zeit lebte eine Frau, die sich sehnlichst ein Kind wünschte, aber schon seit Jahren kinderlos geblieben war. Sie betete zu allen Göttern, doch ihr Wunsch blieb ungehört. Ihre Verzweiflung trieb sie des Morgens hinaus zum See. Nebel lag noch über dem Wasser, in das sie mit bloßen Füßen watete. Sie hatte beschlossen, dass dies ihr letzter Morgen in Verzweiflung sein sollte. Kälte klammerte sich durch den nassen Stoff ihres Kleides an ihre Beine. Da spürte sie eine sanfte Berührung an ihrer Schulter. Als sie sich umdrehte, erblickte sie die Gestalt einer Frau. Diese lächelte sie an, und dabei schien sie gleichsam aus dem Nebel heraus zu leuchten. Eine sanfte Umarmung ließ all die Todesgedanken und den Schwermut über die Kinderlosigkeit vergessen. Die Gestalt geleitete die Frau zurück zum Ufer, von wo aus sie leichten Herzens zurück nach Hause ging. Einige Monate später war eben jene Frau mit einem Kind gesegnet und wenn man sie fragte, dann sagte sie, es sei die Herrin vom See gewesen, der sie dieses zu verdanken habe. Ihr Kind aber, ein Mädchen von hübschem Antlitz wuchs auf in dem Glauben, es habe sein Leben jener sagenumwobenen Gestalt am Ufer des Sees zu verdanken. Und mit diesem Glauben war ein Funke in das Herz des Kindes gepflanzt worden, der es Zeit seines Lebens an den See band. Aus dem Mädchen wurde eine Frau. Und mit den Jahren wurde aus dem Funken ein Band, und es heißt, sie war die erste, die ihr Leben der Herrin vom See weihte.

Der Glaube
Aus der mystischen (Sagen-)Gestalt der Wassernymphe Nimue entwickelte sich mit den Jahren der Glaube an die Herrin vom See, auch Dame du Lac genannt. Obwohl sie weder Göttin noch Heilige ist, wird sie wegen ihrer Attribute verehrt. Dazu gehören unter anderem Schönheit, Weisheit und Unabhängigkeit (zumeist von der männlich dominierten Welt). Die Herrin vom See steht in ihrer ursprünglichen Form für das rein Weibliche, für die schützende, gebende und bewahrende Mutter, aber auch für die verführerisch schöne Braut. Zumeist sind es Frauen, die dem Bild der Herrin vom See nachstreben. Oft finden sich solche unter ihnen, die
Selbständigkeit und Unabhängigkeit suchen und deren Herz am spirituellen Wirken der Mächte der Natur und der Erkenntnis über dererlei Zusammenhänge hängt.
Unter den Anhängern der Herrin vom See finden sich – zumeist sind dies Männer – auch solche, die sie wegen ihrer Reinheit und Schönheit verehren.

Ein Anhänger der Herrin vom See glaubt an:
- die Kraft des Weiblichen
- die Kraft der Natur
- die Erkenntnis, die sich aus dem Kreislauf des Lebens ergibt

Ein Anhänger der Herrin vom See widmet sein Leben dem Streben nach:
- Harmonie
- Tugendhaftigkeit
- dem Schutz der Schwachen und Hilfebedürftigen
- dem Gleichgewicht der Dinge

Entgegen mancher Behauptungen gehört die Keuschheit nicht zu den erstrebenswerten Eigenschaften – auch nicht bei den Priesterinnen oder ihren Schülerinnen. Denn die Kraft des Weiblichen entspringt maßgeblich aus dem Fakt des Mutterseins. Keuschheit widerspricht der Fruchtbarkeit und Mutterschaft.

Die Anhänger
Die Gläubigen sind solche, die die Herrin vom See verehren und ihr Leben und Streben nach ihren Maßstäben ausrichten. Unter den Gläubigen gibt es Frauen, die Wissen über das spirituelle Wirken der Mächte haben und magiebegabt sind. Sie stehen der Herrin vom See besonders nahe und werden die Geweihten genannt. Sie sind Priesterinnen, die das Wissen um das Schaffen und Wirken der Herrin vom See ergründen und bewahren und diese ggf. in die Welt hinaustragen.

Junge Mädchen, in denen die Aspekte der Herrin vom See stark sind, werden gern in die Hände von Geweihten (Priesterinnen) gegeben, um sie auszubilden und in ihrem Weg zu bestärken. Man nennt diese Priesterschülerinnen die Schutzbefohlenen. Die Famuli (Singular: Famulus) sind – zumeist männliche – Gläubige. Sie haben sich der Herrin vom See in besonderer Weise verschrieben, indem sie Priesterinnen oder deren Schülerinnen schützen, unterstützen oder in
anderer Weise auf deren Weg begleiten. Die Hüter sind Personen, die der Herrin vom See nahe stehen, nicht aber unbedingt Gläubige sind. Sie haben sich feierlich dazu verpflichtet, geweihte Orte und/oder Wissen zu schützen und zu bewahren.

Symbole

Das Zeichen der Herrin vom See:
Zwei sich überschneidende Kreise symbolisieren die sprichwörtlichen zwei Seiten einer Medaille, etwa Körper und Geist, männlich und weiblich, Leben und Tod usw. Sie gehören zusammen, was durch einen, beide Kreise gleich durchdringenden Pfeil dargestellt wird. Beide Kreise befinden sich innerhalb eines umschließenden äußeren Kreises, der die spirituelle als auch stoffliche Außenwelt darstellt. Das Symbol trägt die Botschaft des unbedingten Gleichgewichts und der Einheit aller Dinge in sich.

Weitere Symbole:
- See mit Nebel
- sagenumwobene Insel im See
- Apfelblütenhain (Er soll sich auf der Insel im See befinden.) – steht für Reinheit und das Weibliche
- Kelch (Manche nennen ihn auch Gral.) – steht für das Weibliche. Es gibt Priesterinnen, die einen Kelch
für Weihen oder Anrufungen nutzen. Manche behaupten, es seihen magische Kelche, die
Wasser hervorbringen – ähnlich einer Quelle.
- Wasser (s.u.)

Das Wasser
Wasser ist im Allgemeinen das Mittel des (magischen) Wirkens der Priesterinnen. So sind sie mittels Wasser (oder Eis) in der Lage z.B. Kranke zu heilen, Schutz zu wirken und Unheil buchstäblich hinfort zu waschen. Besonderes Wasser entstammt den wenigen heiligen Quellen, die durch die Herrin vom See gesegnet sind. Dieses Wasser hat auch ohne magisches Zutun einer Priesterin heilende Wirkung. Jedoch ist es nicht haltbar. Erst durch eine Priesterin gesegnet kann es in Phiolen abgefüllt werden.


Struktur der Priesterschaft
Es ist jeder Priesterin überlassen, in welcher Weise sie leben möchte. Manche bevorzugen die Klausur eines zurückgezogenen Ortes, andere die Gemeinschaft eines Klosters und wieder andere den Familienverband in einem Dorf oder auch die Anstellung an einem Hof. Jede Priesterin strebt nach der Erkenntnis und arbeitet an der Entwicklung ihrer Kräfte. Wenn sie soweit ist, erhält sie Besuch von einer höher stehenden Priesterin, die sie in einer Zeremonie – bildlich gesprochen – über die Schwelle in ein neues Bewusstseinsfeld geleitet. In diesem Sinne gibt es 15 Kreise. Aber nur die wenigsten haben oder entwickeln die Fähigkeit, bis zu den höheren Kreisen vorzudringen.

Seite 1 von 2

Zum Seitenanfang